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Geschafft!
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Ölbronn: Uhrensteuerung aus dem Jahre 1907, gebaut von der Fa. Wolf die in der Ölmühle zwischen Ruit und Bretten.
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Glocke 2 Ölbronn
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Im Glockenstuhl der Waldenserkirche Kleinvillars
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Ölbronn: Glocke 3 (cis): "Alles was Odem hat lobet den Herrn" + "Neu gegossen 1939 unter Mithilfe der bürgerlichen Gemeinde"
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Glockenweihe 1920 in Kleinvillars
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Kleinvillars: Glocke 1 (cis): "Um des Glaubens Willen" + Lux lucet in tenebris

Besuch in der Glockenstube

Besuch in der Glockenstube - Teil I

Diesmal wagen wir einen Blick in die Glockentürme unserer beiden Kirchen.
Glocken sind bereits seit über 3000 Jahren bekannt. Die älteste Glocke in Deutschland ist fast 1000 Jahre alt. Unsere Glocken haben dagegen geradezu ein jugendliches Alter. Denn wie in vielen Gemeinden, mussten die Glocken immer wieder in Kriegszeiten zur Materialbeschaffung abgegeben werden - Kanonendonner statt Glockenläuten.

Glocken sind ein beständiger Wegbegleiter in unserem Alltag. Doch erst, wenn die Glocken stumm sind, so wie das während den Sanierungsarbeiten an der Waldenserkirche der Fall war, fällt so manchem Gemeindeglied auf,  dass da doch "irgendwas fehlt".

In früheren Zeiten hatten die Glocken nicht nur die Aufgabe zu Gottesdienst und Gebet zu rufen. Es gab keine andere Möglichkeit, den Dorfbewohnern, oder gar den Bauersleuten auf dem Feld, etwas mitzuteilen als durch die Glocken. Das "Schulglöckle", Wetterglocke oder die Feuerglocke sind solche Beispiele aus der Zeit vor Elektrizität und Telefon. Mit der Almosenglocke wurde mancherorts die Verteilung der Almosen an Bedürftige angekündigt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Herkunft des Sprichwortes "An die große Glocke hängen". Die größte Glocke wurde geläutet, wenn das örtliche Ruggericht tagte um Streitigkeiten zu schlichten. Bei diesen per Glockenläuten einberufenen Versammlungen mussten dann alle Männer Unrechtmäßigkeiten die ihnen aufgefallen waren vorbringen.

"Die Glocke läuten hören, aber nicht wissen wo sie hängt", mit dieser Redewendung wollen wir aber nun die Stufen zur Glockenstube nehmen. Doch halt, zuvor gibt es in Ölbronn noch ein kleines Juwel zu bestaunen: Die Uhrensteuerung aus dem Jahre 1907. Gebaut von der Fa. Wolf die in der Ölmühle zwischen Ruit und Bretten firmierte. Mit dieser mechanischen Rarität wurden die Turmuhr als auch der Glockenschlag eingestellt und gesteuert. Dazu war es notwendig die Uhr, wahrscheinlich täglich, mit großen Kurbeln aufzuziehen. Dabei wurden die an den Antriebswalzen hängenden Gewichte wieder hochgezogen und das Uhrwerk konnte weiterlaufen. Vielleicht kann sich manch älteres Gemeindeglied noch an diese Zeiten erinnern - oder an die Tage, da man als Konfirmand noch die Glocken mit dem Seil geläutet hat?

In einem eisernen Glockenstuhl hängen in Kleinvillars und Ölbronn jeweils 3 Glocken. In der Waldenserkirche aus Platzgründen übereinander. Die Glocken wurden bei der traditionsreichen Fa. Kurtz in Stuttgart gegossen, die leider 1962 die letzten Glocken gegossen hat. Noch eine kleine Episode am Rande: "Das Glöcklein läutet", so telegrafierte Kurtz 1883 an Gottlieb Daimler als dessen erster Verbrennungsmotor, gegossen bei Fa. Kurtz und montiert auf dem Eichenbalken eines Glockenjochs angelaufen war…

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm  gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben!
Doch der Segen kommt von oben….

Soweit aus Schiller's Glocke die literarische Beschreibung des Glockengießens. Hierbei wird, bei den Bronzeglocken, Kupfer und Zinn auf über 1100 Grad erhitzt und dann als "Glockenspeise" in die gemauerte Form eingeleitet. Zuvor wird üblicherweise ein Gebet gesprochen. Meist durch den Pfarrer der bei solchen Anlässen anwesenden Abordnung der Kirchengemeinde.
Ob der Guss wirklich das gewünschte Ergebnis in Beschaffenheit und Klang gebracht hat, zeigt sich frühestens nach einer Woche. So lange benötigt die Glocke um abzukühlen und kann dann erst aus der Form herausgenommen werden.

Die älteste Glocke im Ölbronner Kirchturm wurde 1939 in Bronze gegossen. Die beiden anderen Glocken sind aus Stahlguss. Solche Glocken sind wesentlich preisgünstiger herzustellen. Vor allem in den Nachkriegsjahren wurden sie sehr häufig eingesetzt. So hat allein die Bochumer Firma BVG mit ihrem Gründer und Erfinder des Formengusses, Jakob Mayer, bis zur Betriebsschließung 1970 ca. 38.000 Glocken, davon ca. 18.000 für kirchliche Zwecke gegossen. Hierzu zählen auch die Friedensglocken in Hiroshima die 1952 gegossen wurden.

In Kleinvillars hatte man zuerst mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Pfarrer de Clermont berichtete 1721, dass der Tempel (wohl aus Holz erbaut) noch ohne Kanzel sei. Da auch eine Glocke fehle, müsse man mit dem Horn zum Gottesdienst rufen…
Ab wann dann die erste Glocke in Kleinvillars läutete ist (mir) leider nicht bekannt. Ebenfalls sind keine Bilder der ersten Kirche überliefert.
Die heutige Waldenserkirche, 1872 erbaut, trägt, ebenfalls schon den dritten Glockensatz. Die jetzigen Bronzeglocken verrichten seit 1952 ihren Dienst.

 

Besuch in der Glockenstube - Teil II

In dieser Ausgabe möchte ich mich zuerst dem kleinsten Glöcklein im Turm der Waldenserkirche widmen. Seit nunmehr 95 Jahren ist sie zwar nur selten zu hören stimmt dafür aber immer als erste Glocke das "Plenum", das Läuten aller Glocken, an. Sie trägt die Inschrift: "des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit" und dazu noch "Gestiftet von Geschwister Siegrist Amerika 1920".
Aus der Ehe des Johann Siegrist und der Susanne Freyburger gingen 15 Kinder hervor, von denen 5 nach Amerika auswanderten. Diese zeigten ihre große Heimatverbundenheit und gaben zusammen mehr als 2600 Mark für neue Glocken und Läuteanlage. Dazu kamen noch 807 Mark vom ebenfalls ausgewanderten Louis Gaide. So kam allein durch diese Spenden mehr als ein Drittel der Gesamtsumme zusammen und das wurde laut Protokoll "mit großem Dank angenommen und den Spendern ein Dankschreiben zugesteuert"

Wie bereits im ersten Teil des Artikels erwähnt, sind in beiden Kirchen jeweils 3 Glocken vorhanden, so dass sich die nachfolgende Beschreibung auf beide Gemeinden übertragen lässt.

Die Zeitansage der Glocken

Ein nützlicher und weithin hörbarer Dienst. Die Glocken lassen uns wissen "was die Stunde geschlagen hat". Mahnen uns zur Besinnung an die Vergänglichkeit der Zeit und zum Innehalten. Geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie automatisch die Glockenschläge mitzählen und somit, und wenn auch nur für wenige Sekunden, Ihre Arbeit Arbeit sein lassen? Vielleicht kommt Ihnen dabei ja noch das Lied EG 628: "Meine Zeit steht in deinen Händen…" in den Sinn.

Mit einer Besonderheit wartet aber sogleich der Stundenschlag der Ölbronner Kirche auf: Die Stunden werden doppelt angeschlagen. Die zweite Schlagfolge geht auf eine Glocke mit einer tieferen Tonhöhe. Dadurch soll der Hörbarkeitsbereich erweitert und, in früheren Tagen sicherlich recht sinnvoll, den Bauern Gelegenheit gegeben werden, bei der Feldarbeit die Uhrzeit zweimal hören zu können.

Der Läutedienst

Die Läutezeiten gehen auf den Ruf zum Gebet in den Klöstern zurück und sollen auch uns in diesen von Hektik und Zeitmangel bestimmten Tagen zum regelmäßigen Gebet aufrufen. Sie sind das akustische Zeichen an die  Gemeinde zum Gottesdienst und zur inneren Sammlung bei Andacht und Gebet im Gottesdienst.

Morgenläuten um 6 Uhr (Betläuten)
Der erste Glockenruf ertönt morgens um sechs Uhr bei Tagesanbruch zur Stunde der Auferstehung von Christus. Ruf zum Morgengebet.

Elf-Uhr-Läuten (Kreuzläuten)
Erinnerung an den Einbruch der Finsternis zur Stunde der Kreuzigung. Es geschieht mit der Kreuzglocke, der zweitgrößten Glocke.

Das 15-Uhr-Läuten (Schiedläuten)
Das Läuten um 15 Uhr gilt dem Gedächtnis der Todesstunde Jesu: "Aber um die neunte Stunde neigte Jesus das Haupt und verschied."

Abendgebet-Läuten um 18 Uhr (Betläuten)
Zum Gedächtnis der Grablegung Christi. Es ermahnt die Gläubigen zugleich daran, an ihre eigene Vergänglichkeit zu denken. Wird auch als "Vesperläuten" bei Einbruch der Dunkelheit verstanden und in vielen Gemeinden der Zeitumstellung entsprechend ausgeglichen.

Den Sonntag einläuten (Sa: 18 Uhr)
Das erste "Zusammenläuten"  der abgelaufenen Woche soll an die Auferstehung Jesu erinnern. Und wir werden darauf hingewiesen, dass der Sonntag, der Tag des Herrn bevorsteht und die Christen sich vorbereiten sollten, den Tag würdig zu begehen.

Text und Bilder: Walter Meffle