Über die Glocken in unseren Kirchtürmen

Besuch in der Glockenstube

Diesmal wagen wir einen Blick in die Glockentürme unserer beiden Kirchen.
Glocken sind bereits seit über 3000 Jahren bekannt. Die älteste Glocke in Deutschland ist fast 1000 Jahre alt. Unsere Glocken haben dagegen geradezu ein jugendliches Alter. Denn wie in vielen Gemeinden, mussten die Glocken immer wieder in Kriegszeiten zur Materialbeschaffung abgegeben werden -  Kanonen­donner statt Glockenläuten.

Glocken sind ein beständiger Wegbegleiter in unserem Alltag. Doch erst, wenn die Glocken stumm sind, so wie das während den Sanierungsarbeiten an der Waldenserkirche der Fall war, fällt so manchem Gemeindeglied auf,  dass da doch "irgendwas fehlt". 
In früheren Zeiten hatten die Glocken nicht nur die Aufgabe zu Gottesdienst und Gebet zu rufen. Es gab keine andere Möglichkeit, den Dorfbewohnern, oder gar den Bauersleuten auf dem Feld, etwas mitzuteilen als durch die Glocken. Das "Schulglöckle", Wetterglocke oder die Feuerglocke sind solche Beispiele aus der Zeit vor Elektrizität und Telefon. Mit der Almosenglocke wurde mancherorts die Verteilung der Almosen an Bedürftige angekündigt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Herkunft des Sprichwortes "An die große Glocke hängen". Die größte Glocke wurde geläutet, wenn das örtliche Ruggericht tagte um Streitigkeiten zu schlichten. Bei diesen per Glockenläuten einberufenen Versammlungen mussten dann alle Männer Unrechtmäßigkeiten die ihnen aufgefallen waren vorbringen.

"Die Glocke läuten hören, aber nicht wissen wo sie hängt", mit dieser Redewendung wollen wir aber nun die Stufen zur Glockenstube nehmen. Doch halt, zuvor gibt es in Ölbronn noch ein kleines Juwel zu bestaunen: Die Uhrensteuerung aus dem Jahre 1907. Gebaut von der Fa. Wolf die in der Ölmühle zwischen Ruit und Bretten firmierte. Mit dieser mechanischen Rarität wurden die Turmuhr als auch der Glockenschlag eingestellt und gesteuert.
Dazu war es notwendig die Uhr, wahrscheinlich täglich, mit großen Kurbeln aufzuziehen. Dabei wurden die an den Antriebswalzen hängenden Gewichte wieder hochgezogen und das Uhrwerk konnte weiterlaufen. Vielleicht kann sich manch älteres Gemeindeglied noch an diese Zeiten erinnern - oder an die Tage, da man als Konfirmand noch die Glocken mit dem Seil geläutet hat?

In einem eisernen Glockenstuhl hängen in Kleinvillars und Ölbronn jeweils 3 Glocken. In der Waldenserkirche aus Platzgründen übereinander.

Glocke 2 Ölbronn

Die Glocken wurden bei der traditionsreichen Fa. Kurtz in Stuttgart gegossen, die leider 1962 die letzten Glocken gegossen hat. Noch eine kleine Episode am Rande: "Das Glöcklein läutet", so telegrafierte Kurtz 1883 an Gottlieb Daimler als dessen erster Verbrennungsmotor, gegossen bei Fa. Kurtz und montiert auf dem Eichenbalken eines Glockenjochs angelaufen war…

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm  gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben!
Doch der Segen kommt von oben….

Soweit aus Schiller's Glocke die literarische Beschreibung des Glockengießens. Hierbei wird, bei den Bronzeglocken, Kupfer und Zinn auf über 1100 Grad erhitzt und dann als "Glockenspeise" in die gemauerte Form eingeleitet. Zuvor wird üblicherweise ein Gebet gesprochen. Meist durch den Pfarrer der bei solchen Anlässen anwesenden Abordnung der Kirchengemeinde.
Ob der Guss wirklich das gewünschte Ergebnis in Beschaffenheit und Klang gebracht hat, zeigt sich frühestens nach einer Woche. So lange benötigt die Glocke um abzukühlen und kann dann erst aus der Form herausgenommen werden.

Die älteste Glocke im Ölbronner Kirchturm wurde 1939 in Bronze gegossen. Die beiden anderen Glocken sind aus Stahlguss. Solche Glocken sind wesentlich preisgünstiger herzustellen. Vor allem in den Nachkriegsjahren wurden sie sehr häufig eingesetzt. So hat allein die Bochumer Firma BVG mit ihrem Gründer und Erfinder des Formengusses, Jakob Mayer, bis zur Betriebsschließung 1970 ca. 38.000 Glocken, davon ca. 18.000 für kirchliche Zwecke gegossen. Hierzu zählen auch die Friedensglocken in Hiroshima die 1952 gegossen wurden.

In Kleinvillars hatte man zuerst mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Pfarrer de Clermont berichtete 1721, dass der Tempel (wohl aus Holz erbaut) noch ohne Kanzel sei. Da auch eine Glocke fehle, müsse man mit dem Horn zum Gottesdienst rufen…
Ab wann dann die erste Glocke in Kleinvillars läutete ist (mir) leider nicht bekannt. Ebenfalls sind keine Bilder der ersten Kirche überliefert.
Die heutige Waldenserkirche, 1872 erbaut, trägt, ebenfalls schon den dritten Glockensatz. Die jetzige Bronzeglocken verrichten seit 1952 ihren Dienst.

Text und Fotos: Walter Meffle.